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2023 WINTER

Byoung Soo Cho, Architekt der Erde

„Organizität und Abstraktheit in Einem“, „Eleganz in der Grobheit“, „Lässigkeit in der Eleganz“ – das sind Attribute, mit denen die Kritiker die Architektur von Byoung Soo Cho beschreiben. Ihm gelingt es, ein Gleichgewicht zwischen den Extremen koreanischer Natürlichkeit und modernistischer Abstraktion herzustellen. Seine Werke sind Ausdruck einer langen Beschäftigung mit koreanischer Kultur, Philosophie und dem Wesen der Architektur.
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Wohnen unter der Erde: Das „Earth House“ des Architekten Byoung Soo Cho fügt sich harmonisch in die Landschaft ein.
© Kim Jae-kyeong

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In der Mitte des „Concrete Box House“, einem von Chos „Kastenhäuser“, wurde ein quadratischer Hof angelegt, um eine Verbindung des Inneren mit dem Außen zu schaffen.
© Hwang Woo-seob

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Byoung Soo Chos architektonisches Leitmotiv ist die Erde. In bestehende Topographie soll so wenig wie möglich eingegriffen werden, um Schaden an der Erde zu minimieren. Für ihn ist Architektur ein Medium, das es den Menschen ermöglicht, mit der Natur in Interaktion zu treten.
© texture on texture


Kenneth Framptons Modern Architecture: A Critical History gilt als das weltweit meistgelesene Geschichtsbuch der modernen Architektur. In seiner fünften Auflage von 2020 erwähnte der einflussreiche Architekturhistoriker erstmals die koreanische Architektur. Er führte Koreas späten Einstieg in die moderne Architektur an und nannte hierbei Kim Swoo-geun (1931–1986), Byoung Soo Cho und Cho Min-suk als repräsentative Architekten – dies war der Moment, in dem Cho die internationale Bühne betrat und die Früchte seiner Arbeit erntete.

Chos erste Berührung mit Architektur war 1978. Anlässlich der Fertigstellung des Sejong Center in Seoul ausgestellte Architekturzeichnungen faszinierten ihn dermaßen, dass er mit dem vagen Wunsch, selbst Architekt zu werden, sein Studium in den USA begann. Ganz in der Nähe von der Heimatstadt Mark Twains.

„Einst stieß ich in einem Antiquariat auf das Buch What Is Man? von Mark Twain. Die düstere Darstellung der menschlichen Natur schockierte mich und hinterließ mich mit große Fragen.“

Das Buch regte ihn an, den Glauben an die Menschheit zum Mittelpunkt seines Schaffens zu machen, Vernunft und Emotionen zu hinterfragen und die emotionale Architektur zu erforschen.

Erlebnisorientierte Architektur

Das Leben auf dem ländlich gelegenen Campus der Montana State University war eintönig und wenig inspirierend. Doch mit der Zeit wurde er der Schönheit der Natur und seiner Umgebung gewahr. Besonders die Scheunen hatten es ihm angetan, denn für ihn ähnelten diese einfachen, pragmatischen Gebäude der traditionellen koreanischen Architektur. Mit Beginn seines Masterstudiums an der Harvard University konzentrierte er sich ganz auf sein Architekturthema „Erleben und Wahrnehmen“. Es war eine Zeit der Skepsis gegenüber moderner Architektur in den Fachkreisen.

„Das Buch Architecture and the Crisis of Modern Science von Alberto Pérez-Gómez, Professor an der McGill University, hat mich tief beeindruckt. Dasselbe gilt für Kenneth Framptons Towards a Critical Regionalism: Six points for an architecture of resistance. In mir reifte daraufhin die Idee, dass eine Reflexion über die moderne Architektur von der Perspektive des mit der Natur kommunizierenden Menschen ausgehen sollte. Die koreanische Architektur setzt ja genau da an.“

Er richtete seine Aufmerksamkeit darauf, wie sich die koreanische Architektur leicht und organisch in die Natur einfügt und ohne zu viel Feinheiten und Übertreibungen für Gemütlichkeit sorgt. Diese Sichtweise motivierte ihn zum Schwerpunkt seiner Masterarbeit, einer „erlebnisorientierten Architektur“ jenseits visueller Proportionen und Formen. Er konzentriert sich darauf, was Menschen erleben, wenn sie einen Raum betreten, wie sie anhand dieses Erlebnisses die Natur wahrnehmen, und in welcher Beziehung die Konstruktionen und die Leere zueinander stehen.

Die „Kastenhäuser“

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Architekturskizze für „Camerata Music Studio“, das Tonstudio und Wohnraum miteinander kombiniert.
Mit freundlicher Genehmigung von Byoung Soo Cho

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Das Erdgeschoss des dreistöckigen Camerata-Gebäudes wird als Musikstudio genutzt. Inspiriert von den Scheunen Montanas entfernte man Säulen und Balken im Inneren und versah die lange Betonwand an der Westseite mit einer aufgerauten Textur. Die im Foto zu sehende Decke hängt an einer Drahtkonstruktion und fungiert zugleich als Boden des Zwischengeschosses. Der raue Beton dient zusammen mit dem geriffelten Holz einer verbesserten Schallabsorption.
© Kim Jong-oh

Nach dem Auslandsstudium begann Cho seine Karriere als Architekt in Korea. Für das Projekt „The Village of Dancing Fish“ in der Stadt Paju, Gyeonggi-do waren Edelstahlverkleidungen auf Sperrholz, Galvalume-Dächer und schlanke Säulen angesichts des begrenzten Budgets die beste Option. Aber die einfachen Details und Materialien ergaben interessante Kompositionen, und die Suche nach Kosteneinsparungen führte, wie er sagt, oft zu einer umweltfreundlicheren Architektur.

Das „Concrete Box House“ und das „Camerata Music Studio“, beide etwa zur gleichen Zeit gebaut, sind Beispiele für Chos architektonische Vision. Das Concrete Box House im Kreis Yangpyeong-gun, Gyeonggi-do, ist sein zweites Haus und verkörpert das Konzept seiner M.A.-Abschlussarbeit. Der quadratische Innenhof mit zehn massiven Säulen aus altem Holz, geformt wie das koreanische Zeichen ㅁ, erinnert an ein traditionelles Hanok-Haus. Anstatt traditionelle Architekturformen einfach zu kopieren, schuf er eine offene Konstruktion, die Licht und Luft ins Innere lässt und einen freien Blick in den Himmel ermöglicht. Besonders bemerkenswert sind die strukturellen Experimente des Gebäudes. Um einen einfachen Betonkasten zu errichten und dabei herkömmliches Imprägniermittel zu vermeiden, fügte Cho zur Abdichtung des Betons vor der Aushärtung einen zusätzlichen Glättungsprozess ein. Der kühne Schritt, Beton und Holz trotz ihrer unterschiedlichen Schwindungseigenschaften direkt miteinander zu verbinden, war ebenfalls erfolgreich. So wurde die Last des Innenraumes auf zehn Holzsäulen im Abstand von fünf bis sechs Meter ohne Balkenunterstützung verteilt, was die Konstruktion eines brüstungslosen, quadratischen Dachs ermöglichte. Entscheidend für das gesamte Projekt waren Chos fundierte Kenntnisse im Setzverhalten von Beton und in der Schwindungsrichtung von Holz.

Das Camerata Music Studio in Paju, Gyeonggi-do, ist Arbeitsplatz und Zuhause des bekannten DJs Hwang In-yong. Chos Vorhaben, das Klangerlebnis des Studios zu maximieren, ließ ihn wieder die Scheunen Montanas in den Sinn kommen. Die innovative Idee, den dunklen Raum nur mit Licht und Musik zu füllen, sollte wiederum Hwang an seine Kindheit in der Salzlagerscheune erinnern. Zum Zweck der Klangverbesserung entfernte Cho im Inneren die Säulen und hängte das Zwischengeschoss an Drähten. Angesichts des Budgets wurde der Beton der Wände grob geriffelt, um als Schallabsorber zu wirken. Zudem wurde zwischen den beiden kastenförmigen Gebäudeteilen, dem Musikstudio und dem Haus, ein Innenhof angelegt.

Nach diesen beiden frühen Werken folgte eine Serie ähnlichen Stils: Er kombinierte kastenförmige Elemente, kreierte Zwischenräume und ermöglichte so Erlebnisse jenseits der Architektur. Danach entwickelte er sich von monotonen Kästen hin zu gebogenen, verdrehten und dynamischen Strukturen, von geraden Linien zu Kurven.

 



Das „Earth House“

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Die Gesamtfläche des „Earth House“ beträgt 6 Pyeong (ca. 20 m2) und beinhaltet zwei Schlafzimmer, eine Bibliothek, eine Küche, eine Toilette und einen Heizungsraum, jeweils mit einer Fläche von 1 Pyeong (3,3 m2). Sowohl die beiden Türen zum Innenhof als auch der Haupteingang sind so niedrig, dass man sich beim Durchschreiten ducken muss. Mit diesem Konzept wollte Cho Bescheidenheit, Selbstreflexion und Demut zum Ausdruck bringen.
© Kim Yong-kwan

Chos Experimente führten schließlich zum mutigen Konzept des „Earth House“. In den Boden eingelassen, brachte das Gebäude seine tiefe Verbundenheit mit der Erde zum Ausdruck, spiegelte aber gleichzeitig die Überzeugung des Architekten wider, dass Himmel, Bäume, Sterne und Wind umso spürbarer sind, je einfacher der Raum gestaltet ist. Diese Philosophie setzte er im „Jipyoung Guesthouse“ (Jipyoung: Horizont) fort, das er so in die Hänge der Küste versenkte, dass sich einem auf natürliche Weise der Blick auf das Meer eröffnet und eine harmonische Verbindung zwischen Raum und Erde geschaffen wird.

Sein Interesse an Erde wurde auf der von ihm geleiteten 4. Seoul Biennale of Architecture and Urbanism weiter vertieft. Es ging um die Frage, wie die Berg-, Wasser- und Windwege der alten Stadt Hanyang (heute Seoul) wiederhergestellt werden könnten. Es war ein Vorschlag zur Schaffung einer fußgängerfreundlichen Umgebung, die das ursprüngliche bergige Terrain Seouls mit seinen Wasserwegen verbindet und den Luftstrom fördert.

Im kürzlich vom britischen Verlag Thames & Hudson veröffentlichten Byoung Cho: My Life as an Architect in Seoul teilt Cho seine Gedanken über die natürliche Umgebung seiner Heimatstadt und deren Einwirkung auf die Architektur mit. Für ihn ist der Begriff „Land bzw. Erde“ keine abstrakte Idee, sondern eine physische Realität, die unmittelbaren Einfluss darauf hat, wie man den Raum erlebt. „Ich glaube an die Bedeutung der natürlichen Umwelt, des kulturellen Umfelds und ihres jeweiligen Kontextes. Besonders interessieren mich ihre physischen Zusammenhänge wie Topografie, Wind und Wasser.“

Sein Zuhause, sein Büro und andere von ihm entworfene Gebäude bieten einen Einblick in die ursprüngliche Urform von Räumen, die durch die schnelle Urbanisierung Koreas verloren gegangen ist. Er lebt noch immer seinen Gewohnheiten treu: Er beginnt den Morgen mit einem Spaziergang, widmet sich tagsüber fröhlich seiner Arbeit und lässt den Abend mit Freunden bei einem Glas Wein ausklingen. Cho versucht, die Lehren des Dalai Lama über Beziehungen in Form von emotionaler Architektur umzusetzen. Nach dreißig Jahren als Architekt betrachtet er Architektur immer noch als einen aufregenden Spielplatz für die Schaffung behaglicher Wohlfühloasen.

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Beim Concrete Box House wird das 20 cm dicke Betondach lediglich von zehn Holzsäulen in einem Abstand von fünf bis sechs Metern gestützt. Dieses Experiment von Cho zeigt die erfolgreiche Kombination von Holz und Beton mit unterschiedlichen Schwindungseigenschaft.
© texture on texture

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Das Jipyoung Guesthouse folgt in seiner Bauweise den komplexen Konturen der Natur. Aus den Rissen im Beton keimt einheimisches Gewächs, was es der Architektur ermöglicht, sich harmonisch in seine Umgebung einzufügen.
© Sergio Pirrone



Lim Jin-youngCEO von OPENHOUSE SEOUL

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