메인메뉴 바로가기본문으로 바로가기

Features

2023 AUTUMN

TRADITIONELLE MÄRKTE: NEUES IM ALTEN

Orte voller Erlebnisse und Genüsse

Kaufhäuser, Einkaufszentren und Online-Shops haben traditionellen Märkten schon lange den Rang abgelaufen. Doch in letzter Zeit sorgt das gestiegene Interesse der jüngeren Generation an ihnen für eine Wiederbelebung dieser Orte. Sie sind jetzt sogar dabei, ein neues Gesicht anzunehmen.
1제주위트 시장-바 1층 메인 가판대_4(1).jpg

Im Mai 2023 konnten Besucher drei Wochen lang am Pop-up-Store der Marke Jeju Beer auf dem Gwangjang Markt in Seoul Bier genießen. Insgesamt strömten 50.000 Besucher herbei und sorgten für eine geschäftige Atmosphäre.
© Jeju Beer


Vom Alter gezeichnete Verkäuferinnen, die vor Verkaufsständen hockend Gemüse aus eigenem Anbau feilbieten, geschäftig umhereilende Hausfrauen, die versuchen, vor dem Abendessen noch schnell ein Schnäppchen zu machen, und Männer mittleren Alters, die bei Alkohol und günstigen Beilagen den Abend genießen – das dürfte das Bild sein, das Koreanern einfällt, wenn sie an traditionelle Märkte denken.

2FIG_ JEJU BEER_ RECAP_ 00073.jpg

Das Kombi-Menü des Pop-up-Stores von Jeju Beer: Populäre Köstlichkeiten des Marktes wurden als Spieß serviert.
© Jeju Beer

Aber dieses Bild beginnt sich zu verändern. Im Mai 2023 eröffnete die Biermarke Jeju Beer einen Pop-up-Store auf dem Gwangjang Markt in Yeji-dong, Seoul. Dass die Wahl auf den eigentlich für die traditionelle Kleidung Hanbok bekannten Gwangjang Markt fiel, mag überraschen. Doch neuerdings ist es keine Seltenheit, dass nicht nur Bier-Marken, sondern auch große in- und ausländische Marken Concept Stores auf traditionellen Märkten eröffnen oder dort Veranstaltungen abhalten. Aber woher nur das plötzliche Interesse für Orte, die mit ihrer älteren Klientel schon vom Aussterben bedroht waren? Die Antwort ist simpel: Die Jugend hat die Märkte für sich entdeckt.

 

Pilgerstätten des guten Geschmacks

3망원시장_서울관광재단 (1).jpg

Der Mangwon Markt ist ein traditioneller Markt, der in den 1970er Jahren in Mangwon-dong, Seoul gegründet wurde. Durch den Zuwachs an Besuchern bildetet der Markt mit nahegelegenen Attraktionen wie dem Park am Fluss Han-gang, dem Mehrzweck-Kulturraum Oil Tank Culture Park und den Straßen rund um die Hongik Universität eine Art Tourismus-Gürtel.
© Seoul Tourism Organization

Für junge Leute gelten traditionelle Märkte inzwischen als Mekka der Gaumenfreuden. Bekannt ist v. a. der Gwangjang Markt, auf dem alltäglich erscheinende Gerichte wie Mungobohnen-Pfannkuchen, Gimbap-Reisröllchen, Twisted Donuts aus Klebreis und Sundae-Blutwurst von den Ladenbetreibern in besonderer Qualität angeboten werden. Ein Muss für jeden Touri sind auch die vielen Yukhoe-Tatar-Restaurants, aus denen sich mittlerweile eine regelrechte Gasse gebildet hat.

4망원시장_서울관광재단 (4).jpg

Der Mangwon Markt entwickelt sich zu einem Gourmet-Reiseziel, da man neben traditionellen typischen Markt-Gerichten, auch neue Köstlichkeiten probieren kann, die dem Geschmack der jüngeren Generation entsprechen.
© Seoul Tourism Organization

Nicht weit von der Hongik-Universität gelegen, zieht auch der Mangwon Markt immer mehr junge Menschen aus nah und fern an. Angelockt werden sie durch für traditionelle Märkte so typische Snacks wie Tteokbokki (Reiskuchenwürste in scharfer Soße) oder Mandu-Maultaschen. Besonders beliebt sind aber Trendgerichte wie frittierte Chilies, die nirgendwo sonst so groß sind wie hier. Zudem gibt es extravagante Geschmackskombinationen für die jüngere Generation wie mit Hähnchen-Gewürzpulver garnierter Hotteok (gefüllter Pfannkuchen) oder mit Speiseeis gefüllte Marshmallow-Würfel.

 

Neue Erlebnisorte

5Space (1).jpg

Das Café onion am Eingang des Gwangjang Marktes gilt seit seiner Eröffnung im September 2022 als Hotspot für ein junges Publikum. Bei der Gestaltung des von Fabrikr nach dem Nostalgie-Konzept entworfene Café wurden Alltagsgegenstände von Marktleuten wie Paketbänder oder Plastikstühle verwendet.
© Onion

Heutzutage zieht es die Menschen auch deshalb auf Märkte, weil sie das Ungewöhnliche suchen. Das Straßencafé onion am Eingang des Gwangjang Marktes mit seinen Pappkarton-Menü-Schildern und Plastikstühlen, die mit Paketbändern umwickelt sind, ist definitiv als „besonders“ zu bezeichnen. Die Räumlichkeiten des Cafés, die 60 Jahre lang einem Goldwarengeschäft gedient hatten, wurden nun mit Sichtbeton und Vintage-Requisiten so umgestaltet, dass der Bezug zur ursprünglichen Marktatmosphäre erhalten blieb. Ähnlich wie beim typischen Streetfood Tteokbokki wird hier eben am Straßenrand eine Tasse Kaffee genossen.
6스타벅스 경동1960점3.jpg

Der Gyeongdong Markt, ein auf traditionelle koreanische Medizin spezialisierter Markt, wurde eigentlich eher von Kunden mittleren und älteren Alters besucht. Seit der Eröffnung des Starbucks-Cafés Kyungdong 1960 im Dezember 2022 ist jedoch die Zahl der jungen Besucher in ihren Zwanzigern und Dreißigern deutlich gestiegen.
© Starbucks Coffee Korea Co., Ltd.

Auch im Starbucks-Café Kyungdong 1960 auf dem Gyeongdong Markt in Jegi-dong, Seoul kann man diese Affinität zum Retro-Style spüren. Sein besonderer Charme macht die Tatsache aus, dass das Gebäude ab den 1960er Jahren eigentlich ein Kino beherbergte und nach seiner Schließung lange Zeit als Lagerhaus genutzt wurde. Dieses und die zahlreichen anderen Retro-Cafés auf dem Gyeongdong Markt sorgen zusammen mit den vielen Läden für östliche Medizin und Ginseng für eine ganz spezielle Atmosphäre, sodass sich der Markt schnell zu einem Hotspot für junge Besucher entwickelte. So macht Starbucks die Angabe, täglich von mehr als 1.000 und am Wochenende von mehr als 2.000 Kunden besucht zu werden.

Will man zur dieser Starbucks-Filiale gelangen, kommt man nicht umhin, den Showroom von GoldStar (heute LG Electronics) im 1. und 2. Stock des Gebäudes zu passieren. Es handelt sich um einen Erlebnisraum, der Ende 2022 eröffnet wurde und ebenfalls ein Retro-Konzept verfolgt. Ausgestellt sind Schwarz-Weiß-Fernseher, Kühlschränke oder Waschmaschinen aus vergangenen Tagen der Firma LG Electronics. Integrierte LED-Bildschirme, die Naturlandschaften verschiedener Jahreszeiten zeigen, runden den besonderen Look dieses Ortes ab, der bei den Älteren Nostalgie hervorrufen und der jüngeren Generation ein einzigartiges Erlebnis bieten dürfte.
7_1층 매장 (80).jpg

Die Vorderansicht des Lebensmittelladens 365 Il Jang, der im Oktober 2021 auf dem Gwangjang Markt eröffnet wurde. Produkte lokaler Marken einschließlich in Kochboxen uminterpretierte populäre Marktgerichte werden angeboten. Dieser 365 Tage geöffnete Laden ist zu einem beliebten Ort geworden, weil er neue und einzigartige Erlebnisse bietet, die auf anderen traditionellen Märkten nicht so leicht zu finden sind.
© LMNT & Allaround

Mittlerweile gibt es auch auf dem bereits erwähnten Gwangjang Markt einen Concept Store, der zurzeit in aller Munde ist. Es handelt sich um den im Oktober 2021 eröffneten Lebensmittelladen 365 Il Jang. Das 365 Tage geöffnete Geschäft wurde von Anfang an für junge Verbraucher konzipiert und bietet eine Vielzahl von Produkten, die sonst auf traditionellen Märkten nicht zu finden sind. Auf diese Weise bildet der Laden einen Kontrast zu seinem Umfeld und ist zu einer regelrechten Attraktion für die Besucher geworden.

 



Neue Chancen

Während der COVID-19-Pandemie erlebte der Online-Handel einen Aufschwung und es gab nicht wenige, die ein Ende des Offline-Geschäfts prophezeiten. Während des Übergangs von Pandemie zu Endemie kehrt jedoch wieder Leben in die (Geschäfts-)Straßen ein. Gerade die Märkte entwickeln sich zu Anziehungspunkten für junge Leute. Das Stichwort lautet hier „Erfahren“. Über das bloße Einkaufen hinweg ist der Markt für sie vielmehr eine Art Tummelplatz, der Touri-Elemente mit Tradition und Unterhaltung verbindet.

Der französische Psychiater und Psychoanalytiker Jacques Lacan sagte mal, dass der Schlüssel zum Durchbrechen der alltäglichen Langeweile in der Nichtalltäglichkeit liege. Traditionelle Märkte hatten es lange Zeit schwer angesichts großer Supermarktketten und dem Online-Handel, doch wenn es ihnen gelingt, Verbrauchern Erlebnisse der besonderen Art, also das Nichtalltägliche, zu bieten, kann es auch für sie eine Zukunft geben. Jetzt kommt es nur noch darauf an, die Chancen, die sich den traditionellen Märkten bieten, auch zu nutzen.


Choi Ji-hyeForscherin, Consumer Trend Center, Seoul National University

전체메뉴

전체메뉴 닫기