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2023 WINTER

KUNST UND TECHNOLOGIE: NEUE WEGE GEHEN

Die Pioniere der Medienkunstszene Koreas

Bis vor einigen Jahrzenten war die Medienkunst noch eine Randerscheinung, deren Begriff zunächst einer Erklärung bedurfte. Inzwischen ist sie, dank der technologischen Entwicklung, im Mainstream angekommen. Doch dass dieses Genre in Korea das, was es heute ist, werden Konnte, ist nicht zuletzt auch auf die Bemühungen aus allen Bereichen zurückzuführen, das Potenzial der Kunst als ein neues Medium, die Welt zu verstehen, zur Entfaltung zu bringen.
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Delivery Dancer’s Sphere. Ayoung Kim. 2022. Ein-Kanal-Video. 25 Minuten.
Das Video handelt von einer Frau, die für einen Lieferdienst Motorrad fährt und bei der Arbeit mit einer anderen Version ihrer selbst konfrontiert wird. Ayoung Kim ist Medienkünstlerin, die Video, VR und Performance einsetzt, um sich mit Themen wie Migration, Flüchtlingsproblematik und Widersprüche des Kapitalismus auseinanderzusetzen.
© Ayoung Kim


Im Juni dieses Jahres kam frohe Botschaft aus Österreich: Ayoung Kim wurde für ihr Werk Delivery Dancer’s Sphere auf dem hoch angesehenen Medienkunst-Festival Ars Electronica mit einer Goldenen Nica geehrt. Es war das erste Mal, dass dieser seit 1987 ausgeschriebene internationale Preis an eine Koreanerin ging.

Etwa zur gleichen Zeit wurde auch Yiyun Kang in das Programm Made of Makers der Uhrenmarke Jaeger-LeCoultre aufgenommen. Es handelt sich um eine Kooperationsserie der seit 190 Jahren bestehenden Traditionsfirma mit ausgewählten Künstlern und Kunsthandwerkern. Kang ist die erste Asiatin überhaupt, der diese Ehre zuteilwurde, nachdem sie mit ihrem Werk Origin zum diesjährigen Thema „Der Goldene Schnitt“ überzeugen konnte.

Koreanischen Medienkünstlern gelingt es zurzeit immer häufiger, weltweit Aufmerksamkeit zu erregen. Es ist eine Entwicklung, die keineswegs von heute auf morgen eingesetzt hat. Das wurde möglich, weil es Pioniere gab, die dieses lange unbekannt gewesene Land erschlossen, und weil es Unterstützer gab, die die Künstler systematisch förderten. Für die junge Generation von heute bildeten sie das Fundament und eine Quelle der Inspiration.

Pioniere

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Ohne Titel (TV-Steinturm). Park Hyun-ki. 1980. TV & 17 Steine. Variable Größe.
Dieses Werk stammt von Park Hyun-ki, einem der Pioniere der koreanischen Videokunst. Es geht hier um die Strukturierung der dichotomen Grenzen zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen, der realen und der virtuellen Welt.
Mit freundlicher Genehmigung des Busan Museum of Art

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Rehabilitation of Genghis-Khan. Nam June Paik. 1993. Ein Kathodenstrahlröhren-Bildschirm, zehn Fernsehgehäuse aus Stahl, Neonröhre, Fahrrad, Taucherhelm, Benzinpumpe, Plastikrohr, Umhang, Seil, Ein-Kanal-Video, Farbe, Stumm, LD. 217 × 110 × 211 cm.
Das Werk zeigt die visuelle Darstellung einer elektronischen Breitbandautobahn, eine moderne Version der alten Seidenstraße, die Ost und West miteinander verband.
© Nam June Paik Estate; Mit freundlicher Genehmigung des Nam June Paik Art Center

Ein Name, der wie kein anderer für Innovation und Einfluss in der Medienkunst steht, ist der von Nam June Paik. Während seines Philosophie- und Musikstudiums in Deutschland kam er mit zeitgenössischen Avantgarde-Künstlern zusammen, wodurch sein Interesse für Kunst mit neuen Medien geweckt wurde. Weltweite Bekanntheit erlangte er durch das Werk Exposition of Music – Electronic Television (1963), das in der Galerie Parnass in Wuppertal präsentiert wurde und seine Laufbahn als Medienkünstler begründete. In seiner Kunst, bei der er Fernsehapparate manipulierte und Videos erstellte, gelang ihm ein Schlag gegen die Massenmedien, die das Monopol auf Senden und Empfangen von Informationen besaßen.

In seinen späteren Werken kombinierte er Videos mit Skulpturen und Installationen, zudem entwickelte er den sog. Videosynthesizer zum Remix von Fernseh- und Videobildern. Mit Arbeiten, die eine Verbindung von Musik und menschlichem Körper schufen, beschritt er ebenfalls neue Wege. Dabei sah er eine kybernetische Welt voraus, in der Mensch und Maschine zusammenleben und sich gegenseitig beeinflussen. Des Weiteren beschäftigte er sich mit digitalen Kommunikationssituationen zur Verbindung mehrerer verschiedener Parteien. So konnte er in seinen Werken die Koexistenz von Natur und Technologie, und Verschmelzung östlicher und westlicher Kulturen vollbringen. Diesbezüglich ist die Satellitenübertragung der Live-Show Good Morning Mr. Orwell zwischen New York und Paris zu nennen, eine Satire auf die dystopischen Voraussagen des Romans 1984. Paiks Aktivitäten und Aussagen wirkten beinahe prophetisch, doch sind sie auch heute so zukunftsweisend, dass sie immer wieder neu aufgegriffen und thematisiert werden.

Park Hyun-ki, Pionier der südkoreanischen Videokunstszene in den 1970er Jahren, verwendete das Fernsehen auf eine andere Art als Paik. Seine Installationen zeigten aufeinandergestapelte Steine und Holzstücke, die zusammen mit Fernsehgeräten installiert wurden. Auch die Bildschirme sendeten Bilder dieser Naturelemente, so dass es zu einer Einswerdung von Realität und Virtualität kam. So wurde die Frage nach der Bedeutung von „Wirklichkeit“ aufgeworfen, was zu einer Erweiterung von Wahrnehmung und Perzeption führte. Zu beachten ist, dass hier eine traditionelle koreanische Baumethode zum Einsatz kam, eine Herangehensweise, die auch in der Medienkunst der Gegenwart ihre Gültigkeit hat.

Professionelle Institute

4_진기종, 차동훈, 강지영, 〈보편의 조적〉, 2023, 단채널 비디오, 6’36’’_Zin Kijong, Cha Donghoon, Kang Jiyoung, Universal Manufacture, 2023, Single-channel video, 6’36’’.png

Universal Manufacture. Zin Ki-jong, Cha Dong-hoon, Kang Ji-young. 2023. Ein-Kanal-Video. 6 Minuten 36 Sekunden.
Universal Manufacture war Teil der Ausstellung Pale Blue Dot, die 2023 in der KF XR Gallery stattfand. Das Werk thematisiert Biodiversität und Nachhaltigkeit, wobei ein hochmoderner virtueller 3D-Drucker und eine traditionelle Töpferware als Medium eingesetzt werden. Die Umwelt war das Hauptthema der Eröffnungsausstellung der Galerie.
© Korea Foundation

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Argos. Yunchul Kim. 2018. Geiger-Müller-Rohr, Glas, Aluminium, Mikrocontroller. 48 × 40 × 40 cm.
Ein Kunstwerk, das auf der Ausstellung Cabinet of the Ephemeral – Collecting Media Art des Art Center Nabi im September 2023 gezeigt wurde. Es handelt sich um einen Myonteilchen-Detektor aus 41 Kanälen, der bei Fund eines Myonteilchens im Weltraum zu blinken beginnt. Kim hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische Potenzial von Strömungsmechanik und Metamaterialien zu erforschen.
Mit freundlicher Genehmigung des Art Center Nabi; Foto: Seoul Metropolitan Government, Seoul Council of Art Museums

2000 war ein entscheidendes Jahr für die koreanische Medienkunst, da es gleich mehrere wichtige Gründungen gab: die Seoul Mediacity Biennale des Seoul Museum of Art, das Art Center Nabi und das Ilju Art House, das sich im Heungkuk Life Insurance Building in Gwanghwamun, Seoul, befand.

Die Seoul Mediacity Biennale (urspr. media_city seoul) wurde dieses Jahr bereits zum 12. Mal abgehalten. Sie ist eine öffentliche Veranstaltung, die im steten Wandel befindlichen Umfeld der Medien ihren Blick bis heute auf das Zeitgenössische und das Experimentelle gerichtet hält. Zu Beginn hatte es zwar wegen der Ausrichtung auf das Publicity des Technologiefortschritts Koreas Höhen und Tiefen gegeben, die Veranstaltung trug aber dazu bei, die Medienkunst als Teil der modernen Kunst ins allgemeine Bewusstsein zu rücken.

Das Art Center Nabi für Medienkunst ging aus dem auf herkömmliche Kunstgenres spezialisierten Walkerhill Art Museum hervor. Ziele waren kritische Auseinandersetzung mit neuen Technologien sowie Förderung von Medienkünstlern. Anfang des 21. Jhs., wo Medienkunst noch wenig bekannt war, fungierte das Center als ein wichtiger Treffpunkt der Pioniere, die sich hier gegenseitig inspirieren und motivieren konnten, sich vernetzten, um verschiedene Aktivitäten zu unternehmen. Besonders in der Gemeinschaft INP (Interactivity & Practice), die Anfang der 2000er Jahre mit der Unterstützung des Centers gegründet wurde, wirkten viele der heute etablierten Medienkünstler. Man kann sagen, die INP und somit das Art Center Nabi nährten den Boden für die Vielfalt der gegenwärtigen Medienkunst.

Das Ilju Art House stellte ähnlich wie das Art Center Nabi der damals wenig beachteten Medienkunst Ressourcen und Netzwerke zur Verfügung. Bestandteile waren eine Galerie mit Interpretationen digitaler Kultur, ein Archiv mit Videomaterial sowie Publikationen zum Thema Medienkunst und ein Studio, das für Privatpersonen sonst kaum zugängliche Mediengeräte zur Verfügung stellte und Schulungsprogramme über die entsprechende Technik anbot. Bis zu seiner Schließung 2006 legte das Museum den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Erforschung des Potenzials für die Öffentlichkeit und stand den Künstlern mit praktischen Hilfen bei. Zu nennen wäre hier das Programm „Media Raiders“, das sich der Entdeckung und Unterstützung vielversprechender Talente widmete.

 



Verschiedene Unterstützungsprojekte

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Drawing Suit 02. Inkang Lee. 2022. Ferngesteuerter, mehrfach verbundener Zeichnungsanzug mit tragbarer Exoskelett-Technologie. Interaktive Zeichnungsperformance. Drei-Kanal-Video. 15 Minuten.
Nach einer Verletzung beim Amateurboxen begann Inkang Lee mit tragbarer Technologie zum Ausführen von Körperbewegungen zu experimentieren. Das Foto stammt vom Festival Unfold X 2022, das innovatives künstlerisches Schaffen mithilfe modernster Technologie hervorhob. Durch diese interaktive Performance fertigen Künstler und Teilnehmer anhand digitalisierter Bewegungsdaten eine Zeichnung an.
© Seoul Foundation for Arts and Culture

Das Asia Culture Center (ACC), gegründet 2015 für Austausch und Verbindung der asiatischen Kulturen in Gwangju, Provinz Jeollanam-do, ist der Betreiber des ACT (Arts & Creative Technology) Center. Hier geht es um die Erforschung und Verbreitung von Inhalten, die Spitzentechnologien, kulturelle Vielfalt und asiatische Traditionen kreativ miteinander verbinden. Das Center fungiert als eine Plattform, auf der Künstler, Designer, Ingenieure und Forscher ihre Ideen weiterentwickeln können.

2010 wurde der Ideen-Wettbewerb Da Vinci Creative von Seoul Art Space Geumcheon gegründet, einem von mehreren kunstschaffenden Räumen der Seoul Foundation for Arts and Culture. Dieses Projekt zur Förderung technologiebasierter kreativer Ideen strebt anders als andere Förderprogramme auch die industrielle Umsetzung der Ideen an. Ab 2014 wurde das Projekt in Form von einem Medienkunstfestival mit eingeladenen ausländischen Künstlern sowie von Veranstaltungen, Vorträgen und Workshops abgehalten. Um dem aktuellen Stand künstlerischen Schaffens mit modernster Technologie gerecht zu werden, kam es dann auf Initiative der Seoul Foundation for Arts and Culture zur Gründung des Festivals Unfold X, einer Plattform für grenzüberschreitende Kunst.

Weitere große Bereicherungen der koreanischen Medienkunstszene sind u. a. das Nam June Paik Art Center, die Veranstaltung ZER01NE DAY von Hyundai Motor Company und das Paradise Art Lab der Paradise Cultural Foundation.

Angesichts der rasanten Popularisierung der Medienkunst gibt es Stimmen, die das schnelle Abflauen des Booms befürchten oder vor der Massenproduktion von Kitschwaren warnen. Aber bezüglich der Technologie, die unseren Alltag im großen Maße bestimmt, ist die Erforschung der grundsätzlichen Fragen wie die nach ihrer Bedeutung für die Gegenwart oder nach ihren Möglichkeiten und Gefahren von großer Relevanz. Als Kunstrichtung, die den Ergebnissen solcher Erforschungen Ausdruck verleiht, ist die Medienkunst von Bedeutung. Sie war und wird auch heute noch als Frontlinie der Kunst betrachtet. Und in Korea ist es gut zu beobachten.



Heo Dae-chanChefredakteur, Kanal für Medienkunst und -kultur AliceOn

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