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Interview

2022 SPRING

Produktionsdesign erweitert das Narrativ

In der Netflix-Hitserie Squid Game wurde die Brutalität des Überlebens um jeden Preis durch die märchenhafte Kulisse deutlich akzentuiert. Mit der Art-Direktorin Chae Kyoung-sun, die dieses einzigartige Raumdesign entwarf, trafen wir uns am Drehort für ihr nächstes Werk, im Goyang Aqua Studio in der Provinz Gyeonggi-do.

Bei der 79. Verleihung der Golden Globe Awards im Januar 2022 wurde der südkoreanische Schauspieler O Yeong-su für seine Rolle als Spieler 001 bzw. „Gganbu (sehr enger Freund)“ in der Netflix-Serie Squid Game als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Seit ihrer Premiere im September 2021 wurde diese Serie von 142 Millionen Haushalten gesehen, stand 46 Tage in Folge auf Platz 1 der Netflix-Charts und wurde in wichtigen Kategorien für die Screen Actors Guild (SAG) Awards und Producers Guild of America (PGA) Awards nominiert. Es gibt verschiedene Analysen in Bezug auf das Geheimnis der weltweiten Popularität dieser Serie, aber es ist klar, dass das spektakuläre Set-Design mit seiner neuartigen und zum Teil surrealen Atmosphäre eine wichtige Rolle spielte.

Im Gegensatz zu den Kulissen der meisten Filme und Fernsehserien fokussierte Squid Game nicht auf eine realistische Raumdarstellung. Ziel war, mit einer begrenzten, aber kühnen Auswahl an Farben Realität und Fantasie zu verschmelzen. Es ist sehr beeindruckend, wie sehr dieses Produktionsdesign mit Geschichte und Figuren harmoniert und dadurch den dramatischen Effekt erhöht.

Chae Kyoung-sun, die Art-Direktorin der Serie, studierte Bühnenkunst an der Sangmyung University und debütierte 2010 mit dem Film Come, Closer von Regisseur Kim Jong-kwan, in dem es um Liebe und Trennung von fünf Paaren geht. In den Jahren darauf arbeitete sie mit Regisseur Hwang Dong-hyuk an einer Reihe von Filmen: Silenced (2011), Miss Granny (2014) und The Fortress (2017). Zu ihren weiteren Filmprojekten gehören Hwayi: A Monster Boy (2013; Regie: Jang Joon-hwan), The Royal Tailor (2014; Regie: Lee Won-suk) und EXIT (2019; Regie: Lee Sang-geun). Stoff, Genre und Regisseur sind zwar unterschiedlich, gemeinsam ist jedoch allen, dass Art-Direktorin Chae den jeweils passenden Raum zur Erweiterung des Narrativs schuf.

Kunstdirektorin Chae Kyoung-sun posiert in einem Studio in Goyang, Provinz Gyeonggi-do, neben einem speziellen aquatischen Bühnenbild für ihr nächstes Projekt, die Disney Originalserie Moving. Kims Ansehen als Kunstdirektorin von Squid Game stieg enorm, als diese Netflix Megahitserie eine internationale Sensation wurde. Sie sagt, sie sei unglaublich glücklich über die finanzielle Unterstützung und kreative Freiheit, die sie genießen konnte.

Die Serie Squid Game unterscheidet sich stark von den bisherigen Werken Hwangs, für die Sie realistische Räume geschaffen haben. Das wird auch für Sie eine große Herausforderung gewesen sein.
Da die Räume nun mal nicht realistisch waren, hatte ich erwartet, dass die Zuschauermeinungen weit auseinandergehen würden. Ich hatte mich innerlich schon auf negative Bewertungen vorbereitet, aber glücklicherweise reagierten viele positiv. Als Art-Direktor hat man nur selten die Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren. Dank des großzügigen Budgets konnte ich die Designs in meinem Kopf umsetzen. Es war ein großes Glück, an diesem Projekt mitwirken zu können.

Was war Ihre erste Reaktion auf das Drehbuch?
Regisseur Hwang hatte mir schon vor Erhalt des Drehbuchs die Handlungsstränge grob erläutert. Er sagte, er wolle anhand von Spielen aus unserer Kindheit Survival-Szenarien entwickeln und dabei neue visuelle Experimente unternehmen. Und dann meinte er: „Mach, was auch immer du willst.“ Ich kannte zwar den groben Inhalt, aber nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war ich erst einmal ratlos. Während ich mir dieses und jenes Konzept durch den Kopf gehen ließ, regte sich in mir der Kampfgeist, ein völlig neuartiges Design zu kreieren. Ich beschloss, ein grausames Märchen vor dem Hintergrund eines Raums zu schaffen, der Menschen mittleren Alters in ihre Kindheit zurückversetzt.

Auf welches Produktionsdesign haben Sie sich mit Hwang geeinigt?
Grob gesehen gab es drei Konzeptlinien. Erstens: Die Welt sollte nicht allzu düster dargestellt werden. Zweitens: Der Kulisse jedes Spiels sollte etwas Einzigartiges anhaften. Das war wichtig, um Verwirrung und Angst der Gamer zu erhöhen, die ja nicht wissen, was für ein Spiel sie in den einzelnen Räumen spielen werden. Außerdem wollten wir die Neugier der Zuschauer anstacheln: Wo wird was für ein Game als Nächstes gespielt? Drittens wollten wir Farben mutig einsetzen. Im Vergleich zu Hollywood-Filmen sind koreanische Filme etwas konservativ bei Farben. Wir wollten diese Einschränkungen abschütteln und Farben kühn verwenden. Allerdings muss man schon zugeben, dass die Farbpalette schon umfangreicher geworden ist, seitdem koreanische Filme in neue Genres wie Science-Fiction vorgestoßen sind.

Was waren die Kriterien für die Farbauswahl?
Am Anfang haben wir Mint und Pink als Hauptfarben erwogen, also Retrofarben, die für die 1970/80er Jahre stehen. Dazu sagte Kostümdirektorin Cho Sang-kyung: „Lasst uns aufs Ganze gehen und die Wächter in Pink kleiden.“ Für die Trainingsanzüge der Spieler haben wir uns für ein sattes Grün entschieden. In der Serie symbolisiert Pink Unterdrückung und Gewalt, Grün steht für Unterdrücktsein und Verlieren. Die Spieler mussten sich durch Konstruktionen mit pinkfarbenen Decken und Wänden bewegen; der Raum, durch den die Wächter in ihre Unterkünfte zurückkehrten, war in Grün gehalten. Mittels dieser Farben wurden Weltbild und Regeln der Geschichte definiert.

Squid Game Spieler durchschreiten ein Treppenlabyrinth. Der Kontrast von brutalen Überlebenskämpfen, die sich vor einem kindhaft anmutenden, in Pastelltönen gehaltenem Hintergrund abspielen, fängt die Paradoxie der kapitalistischen Gesellschaft ein. Die ungewöhnliche Kulisse wurde von den Arbeiten des niederländischen Künstlers Maurits C. Escher inspiriert.
© Netflix

Wie war es beim ersten Spiel „Rotes Licht, Grünes Licht“?
Das Konzept des ersten Spiels ist „echt vs. fake“. Der blaue Himmel im ersten Spiel und die Wand hinter der Younghee-Puppe (Younghee: koreanische Kinderbuchfigur) sind Fakes, aber wer das Spiel nicht besteht, stirbt in echt. Inspiriert von den Gemälden René Magrittes wollten wir einen Raum kreieren, der sowohl die Spielteilnehmer als auch die Zuschauer verwirren kann. Die Idee, dass die Wächter die Spieler überwachen, wurde von der Psychokomödie The Truman Show (1998) beeinflusst.

Wie wurde die Younghee-Puppe angefertigt?
Die Puppe wurde vom Studio Geppetto für Film-Props und Spezialmakeup hergestellt. Sie ist zehn Meter groß, weshalb Ober- und Unterkörper getrennt transportiert werden mussten. Eigentlich hatte Regisseur Hwang die Kunstabteilung gebeten, zehn Puppen anzufertigen, aber dafür reichte das Budget nicht. Laut des ursprünglichen Szenarios sollte die Puppe aus dem Untergrund auftauchen, was jedoch während der Dreharbeiten geändert wurde.

Die Arena für den ersten Wettkampf „Rotes Licht, Grünes Licht“ machte Anlehnungen bei dem belgischen Surrealisten René Magritte. Die Kombination von Realität und Fantasy sorgt für Verwirrung. Die zehn Meter große Puppe Younghee, einer der Publikumslieblinge, wurde vom Spezialeffekte-Team Geppetto hergestellt.
© Netflix

Grün und Pink, die in allen Episoden von Squid Game zur Anwendung kommen, stehen jeweils für Unterdrücktsein/Verlieren Unterdrückung/Gewalt.
© Netflix

Der Bau der Murmelspiel-Gassen soll schwierig gewesen sein.
Das Gassennetz war eins der kompliziertesten Sets. Auch hier koexistieren Echtes und Unechtes. Regisseur Hwang hatte uns gebeten, eine Sonnenuntergangsszenerie und einen Raum zu schaffen, in dem sogar der Kochgeruch zu riechen ist, den früher in den Gassen spielende Kinder schon erschnupperten, bevor ihre Mütter sie zum Abendessen nach Hause riefen. Mit Ausnahme des Hauses von Großvater Oh Il-nam waren alle anderen Häuser im Grunde als eine Reihe von Eingangstüren gestaltet. Wir wollten dem Raum eine Symbolik geben: Es gibt zwar viele Türen, aber du kannst da nicht durch, weil es nicht dein Haus ist. Wir haben die Eingangstür mit verschiedenen Requisiten wie Türschildern, verbrannten Yeontan-Kohlebriketts und Topfblumen echt wirken lassen, aber nach einem bestimmten Muster: Auf der Seite der Verlierer des Murmelspiels wurden ausgebrannte Kohlebriketts platziert, auf der Seite der Gewinner Blumentöpfe.

Wie erzeugen Sie bei Ihren Projekten eine emotionale Wirkung?
Für jeden Film verfolge ich einen anderen Ansatz. Ein Art-Direktor sollte grundsätzlich Themen und Charaktere, die der Regisseur behandeln möchte, noch gehaltvoller gestalten. Die Kunst sollte nicht zu sehr herausstechen. Sie muss sich natürlich anfühlen. Deshalb überlege ich mir immer, wie ich ein Drehbuch noch tiefgehender und umfassender analysieren kann als der Regisseur.

Wie war es bei dem Film The Fortress, der auf einer wahren historischen Begebenheit beruht?
Wir wollten einen bisher am gründlichsten recherchierten Historienfilm über die koreanische Geschichte schaffen, deshalb haben wir mit aller Kraft daran gearbeitet. Wir haben uns bemüht, die isolierte, von Schnee, Kälte und feindlichen Truppen eingeschlossene Festung in ihrer ganzen Erbärmlichkeit zum Leben zu erwecken.

Der davor produzierte Film The Royal Tailor von Lee Won-suk ist ebenfalls ein Historienfilm. Hat er Ihre Arbeit an The Fortress beeinflusst?
Da der Hauptschauplatz der Geschichte die für die Königsroben verantwortliche Behörde Sanguiwon ist, habe ich viel darüber nachgedacht, wie ich diesen Raum visuell gestalten soll und die Figuren sich durch den Raum zum Ausdruck bringen lassen. Leider war der Film kommerziell ein Flop.

The Fortress schildert die 47 Tage in der Bergfestung Namhansanseong, in der der König und seine Vasallen 1636 vor den Invasoren aus dem chinesischen Qing-Reich Zuflucht suchten. Dank umfangreicher historischer Recherchen gelang es dem Künstlerischen Leiter Chae Kyoung-sun, Schnee, Kälte und Härten der Winterbelagerung erfolgreich zu kombinieren.
© CJ ENM

Wie war es mit Silenced, der in einer Gehörlosenschule spielt, in der finstere Dinge vor sich gehen?
Da es ein Low-Budget-Film war, gab es nur bedingt Spielraum zum Experimentieren. Die einzig neu gebauten Kulissen waren das Schulleiterbüro und der Gerichtssaal. Bei diesem Film war der Nebel wichtig, deshalb wurden die wichtigsten Räume und sogar Korridore und Requisiten in Grautönen gehalten. Im Laufe der ganzen Geschichte war es wichtig, Farben zu unterdrücken statt hervorzuheben. Einzige Ausnahme bildete das Menschenrechtszentrum, wo die von Jung Yu-mi gespielte Protagonistin ihr Büro hatte. Dort haben wir einige Olivtöne zugesetzt, um die Wärme des Raums zu akzentuieren. Als Art-Direktorin musste ich meinen Ehrgeiz zügeln und mich möglichst auf das Narrativ konzentrieren.

Die Kulisse von EXIT war distinktiv koreanisch.
Am Anfang dachte ich, dass es sich um einen klassischen Katastrophenfilm im Hollywood-Stil handeln würde. Als ich mich dann näher mit Regisseur Lee Sang-geun unterhielt, wurde mir klar, dass es darauf ankommt, einen typisch koreanischen Raum zu schaffen. Deshalb stieg ich auf zahlreiche Flachdächer im ganzen Land und untersuchte ihre Kernmerkmale. Es gibt speziell eine Szene in der zweiten Hälfte des Films, in der die Hauptdarstellerin und der Hauptdarsteller unter Aufbietung all ihrer Kräfte über eine Fußgängerbrücke rennen, um das nächste Gebäude zu erreichen. Hier sind die Gebäude rechts und links von den beiden Schauspielern entscheidend. Die Szene ist zwar nur für einen Moment auf der Leinwand zu sehen, aber ich glaube, sie kommt so rüber, wie ich es mir vorgestellt habe. Regisseur Lee hat die Ideen der Kunstabteilung bereitwillig aufgenommen, und die Kunstabteilung hat sich umgekehrt viele Ideen von Regisseur Lee zunutze gemacht. Es ist ein Film, bei dem der Ideenaustausch bei der Arbeit Spaß gemacht hat.

In dieser Szene überquert der für die Hofritualien zuständige Minister Kim Sang-heon (gespielt von Kim Yun-seok) auf seinem Weg zur Festung einen zugefrorenen Fluss.
© CJ ENM

Zwei der Hauptfiguren in The Fortress sind ideologisch gesehen polare Gegensätze, ein Kontrast, der sich in ihren Kostümen widerspiegelt. Personalminister Minister Myung-gil (gespielt von Lee Byung-hun) plädiert für Kapitulation, um das Königreich und seine Untertanen zu schützen, während Kim Sang-heon argumentiert, man solle sich den Invasoren in einem Entscheidungskampf stellen.
© CJ ENM

Worum geht es bei Moving, Ihrem aktuellen Projekt?
Es ist eine Disney Plus-Originalserie von Regisseur Park In-jae. Vor der Veröffentlichung darf ich keine Details preisgeben, ich kann nur verraten, dass die gleichnamige Webtoon-Serie des beliebten Autors Kang Full zum ersten Mal verfilmt wird. Für mich ist es eine große Herausforderung, den Wandel der Zeiten von den 1980er Jahren bis 2018 in einem Werk darzustellen.

Der geborene Fashionist Lee Gong-jin (gespielt von Go Soo) betrachtet die Näharbeit von Cho Dol-seok (gespielt von Han Seok-kyu), der rund 30 Jahre lang königlicher Hofschneider war. Regisseur Lee Won-suks Film The Royal Tailor (2014), der im Joseon-Reich spielt, wartet mit prächtigen Palastroben und Innendekorationen auf.
© WOWPLANET KOREA

Kim Seong-hoon Journalist, CINE21
Heo Dong-wuk Fotos

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