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2022 SUMMER

Hotels der Moderne

Nachdem im späten 19. Jh. im Viertel um den Vertragshafen Incheon die ersten Hotels im westlichen Stil eröffnet worden waren, entstanden im Umkreis des Seouler Stadtviertels Jeong-dong weitere ihrer Art. Damals fungierten Hotels als Räume der Rezeption und Verbreitung westlicher Kultur, waren aber gleichzeitig auch Schauplätze vieler schmerzhafter Ereignisse in der turbulenten modernen Geschichte des Landes.

 

Die ersten Hotels als Vorboten der Moderne auf koreanischem Boden entstanden nach der Öffnung des Hafens Incheon. Diplomaten, Missionare, Geschäftsleute und Reisende, die im Viertel am Incheoner Vertragshafen ankamen, brauchten Unterkünfte, in denen sie vor der Weiterreise nach Seoul ein paar Tage verbringen konnten. Das erste Hotel westlichen Stils, das nach der Öffnung des Hafens in Incheon betrieben wurde, war das von dem Japaner Kyutaro Hori gemanagte Daebul Hotel. Dieses dreistöckige Gebäude westlichen Stils, das direkt neben der Incheon-Filiale der damaligen First Bank of Japan lag, war ein selbstverständliches Stopover für die meisten ausländischen Reisenden der Zeit.

Auch der Missionar Henry G. Appenzeller, der Gründer der Pai Chai Hakdang (Hakdang: Schule, Hochschule), hielt sich bei seiner Ankunft in Joseon im Jahr 1885 im Daebul Hotel auf.

Neben dem Daebul Hotel lag das Steward Hotel, das von einem Chinesen, der als Butler bei der amerikanischen Gesandtschaft in Seoul gearbeitet hatte, betrieben wurde. Hier wohnte auch die britische Reiseschriftstellerin Isabella Bird Bishop bei ihrem Joseon-Besuch 1894.

Nach der Betriebsaufnahme der Gyeongin-Eisenbahnlinie 1899, die Incheon mit Seoul verbindet, erfuhren die Vertragshafen-Hotels in Incheon einen allmählichen Niedergang, da ausländische Reisende jetzt ohne Übernachtung in den nächsten Zug nach Seoul steigen konnten. Nachdem die Gyeongin-Eisenbahnlinie bis in die Stadt Seoul fertiggestellt worden war, eröffnete der Brite W. H. Emberley gegenüber der Endstation Seodaemun 1901 das Station Hotel. Da die Station Seodaemun zudem die Startstation der im Mai 1899 eröffneten Straßenbahnlinie war, die vom im Stadtzentrum liegenden Stadtteil Jongno quer durch die Stadt zur Station Cheongnyangni führte, hielten sich westliche Ausländer oft im Station Hotel auf.


 

Der Innenbereich der Ausstellungshalle auf dem Gelände des Daebul Hotels, des ersten, Hotels westlichen Stils in Korea. Das Hotel florierte zu den Zeiten, als Incheon noch den Status einer Vertragshafenstadt besaß, verkam danach aber mehr und mehr und wurde in den späten 1970er Jahren schließlich abgerissen. Die von der Incheon Jung-gu Cultural Foundation unterhaltene Ausstellungshalle eröffnete 2018, um den historischen Wert des Hotels zu würdigen.
© Incheon Jung-gu Culture Foundation

Showroom der modernen Zivilisation
Währenddessen begannen auch die Hotels in Jeong-dong, wo sich der Königspalast Gyeongun-gung (heute Deoksu-gung) befindet, zu florieren. Hier befanden sich z. B. das von dem Franzosen L. Martin betriebene Hotel du Palais und auch das Sontag Hotel unter der Leitung von Antoinette Sontag.

Im Zuge der Aufklärungspolitik, die Joseon in den 1880er Jahren betrieb, verwandelte sich die Gegend von Jeong-dong in ein globales Dorf, in dem Diplomaten und christliche Missionare, westliche Berater, Geschäftsleute usw. lebten. Mit der Ansiedlung der Gesandtschaften verschiedener Länder wie der Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Russland entstand ein Gesandtschaftsviertel und als natürliche Folge ein Wohnviertel für Westler.

Die ersten Westler ließen sich hier nach der Unterzeichnung des Joseon-USA-Vertrages über Freundschaft und Handel von 1882 und der anschließenden Eröffnung der amerikanischen Gesandtschaft durch Lucius Harwood Foote, der im Mai 1883 nach Korea gekommen war, nieder. Danach errichteten verschiedene Länder miteinander konkurrierend Großgebäude westlichen Stils für ihre Gesandtschaften, um ihre Macht zu demonstrieren, sodass schließlich ein Gesandschaftsviertel entstand. Die USA entschieden sich für ein Gesandtschaftsgebäude im koreanischen Hanok-Baustil. Da in der Umgebung jedoch moderne Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser und Geschäfte ihre Pforten öffneten, entwickelte sich das Jeong-dong-Viertel bald zu einem Schaufenster der modernen westlichen Zivilisation. Westliche Geschäftsläute und Reisende begaben sich daher natürlich nach Jeong-dong. Anfangs gab es noch keine richtigen modernen Unterkünfte, so dass Reisende aus dem Westen meist in den Gesandtschaften ihrer jeweiligen Länder logierten, aber schon bald entstanden Hotels und Geschäfte für ausländische Gäste.

Das Viertel Jeong-dong zog als neuer Raum der Kultur noch größeres Interesse auf sich, als Kaiser Gojong den Palast Gyeonun-gung anlässlich der Proklamierung des Großkoreanischen Reiches (1897-1910) zu einem modernen souveränen Staat neu gestaltete. Gojong bemühte sich um die Modernisierung des Landes, indem er proaktiv an die 200 westliche Berater einsetzte, angefangen bei hochrangigen Beratern für die einzelnen Regierungsabteilungen bis hin zu Experten in den Bereichen Hafenzollamt, Elektrizität, Straßenbahnbau, Telegrafie, Bergbau und Eisenbahnbau. Einerseits berieten sie die Regierung des Reiches und vermittelten Kultur und Systeme des Westens, andererseits vertraten sie aber auch die Interessen ihrer jeweiligen Länder und konkurrierten untereinander.

Die meisten von ihnen lebten in Jeong-dong und bildeten zusammen mit Diplomaten und Missionaren eine Ausländer-Community. Kaiser Gojong, der durch den Austausch mit ihnen westliche Kultur und Informationen früher als jeder andere aufnahm, gewöhnte sich rasch an den neuen Lebensstil. So führte er z. B. im Palast Elektrizität und Telekommunikation ein und trank gerne Kaffee und Champagner. Durch den häufigen Austausch mit den Diplomaten aus den in Jeong-dong ansässigen Gesandtschaften der Großmächte fanden im Kaiserpalast öfters Bankette französischen Stils statt, bei denen mehrere Gänge serviert wurden. Die Empfangsdame, die sich um das Wohl der Gäste kümmerte, war bei solchen Anlässen niemand anderes als Antoinette Sontag (1838-1922).

 

Als der französische Hotelier J. Boher 1909 das Hotel Sontag übernahm, gab er eine Postkarte mit einer Farbfotografie des Gebäudes heraus.
© National Folk Museum of Korea

Das Sontag Hotel
Die deutsche, im Elsass geborene Frau Sontag kam nach Korea, als ihr Schwager Karl Ivanovich Weber (1841-1910) 1885 als russischer Gesandter nach Joseon geschickt wurde. Erst 1909, 25 Jahre später, kehrte sie wieder in ihre Heimat zurück. In Joseon, das sich die Unterstützung der USA und Russlands bei der Verteidigung seiner Souveränität gegenüber China und Japan erhoffte, gewann Frau Sontag durch die Einführung der westlichen Küche und Gesellschaftskultur das Vertrauen des Kaisers und wurde zu einer Kernfigur des gesellschaftlichen Lebens. Bekannt ist vor allem, dass der Chongdong Club (Jeong-dong Klub), ein Verein proamerikanisch und prorussisch Gesinnter, seine Treffen im Haus von Frau Sontag abhielt.

Frau Sontag, die Gojongs Vertrauen genoss, erhielt von ihm ein Haus als Geschenk, das auf der westlich gegenüberliegenden Seite des Palasts Gyeongun-gung lag. 1902 wurde an der Stelle das Hotel Sontag, das als Privathotel des Kaiserhofes und damit als Unterkunft für alle Staatsgäste genutzt wurde, errichtet. Die obere Etage war VIPs vorbehalten, im Erdgeschoss lagen Sontags Wohnraum, Gästezimmer und ein Restaurant. Das Hotel diente jedoch nicht nur der Unterbringung von Staatsgästen, sondern war auch ein moderner Ort des gesellschaftlichen Verkehrs, der von Reisenden sowie in Seoul lebenden ausländischen Diplomaten und Westlern tagtäglich frequentiert wurde, um bei einem Kaffee zu plaudern.

Das Hotel Sontag, ein Symbol westlich-moderner Kultur, verwandelte sich nach dem Russisch-Japanischen Krieg plötzlich zur Kulisse verhängnisvoller historischer Ereignisse. Im November 1905 logierte hier Ito Hirobumi, der Korea zur Unterzeichnung eines Protektoratsvertrags zwang. Zu dieser Zeit hielt sich Frau Sontag, die ein Jahr Urlaub erhalten hatte, in Deutschland auf und Emma Kroebel, eine andere Deutsche, fungierte als Zeremonienmeisterin. Kroebel wurde zwischen Sommer 1905 und Herbst 1906 Zeugin der historischen Begebenheiten, die zur Beraubung der Souveränität durch Japan führen sollten, und dokumentierte sie. Auch für die Bedienung von Alice Roosevelt, der Tochter von US-Präsident Theodore Roosevelt, die kurz vor Ito Hirobumis Besuch auf Einladung Kaiser Gojongs nach Seoul kam, war Emma Kroebel zuständig. Gojong hatte Alice Roosevelt und ihre Entourage in der Hoffnung auf Unterstützung der USA festlich bewirtet, aber die Amerikaner hatten bereits in Tokio das geheime Taft-Kasura-Abkommen unterzeichnet und sich damit zur Unterstützung Japans verpflichtet.

Gojong, der in der Hoffnung auf Hilfe der westlichen Großmächte diplomatische Beziehungen mit diesen Ländern aufgenommen hatte und offen für westliche Küche und Kultur war, fand leider zu dem Zeitpunkt, als er ihre Hilfe am dringendsten benötigte, keine Unterstützung. Als Resultat verlor auch das Hotel Sontag, das einstige Zentrum der gesellschaftlichen Aktivitäten der Westler, an Bedeutung. Frau Sontag kehrte nach der Entthronung Kaiser Gojongs (1907) im Jahr 1909, kurz vor der Kolonialisierung Koreas durch Japan, in ihre Heimat zurück. Das Hotel kam in andere Hände, verfiel aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und verschwand schließlich hinter den Kulissen der Geschichte. Es wurde 1917 von der Bildungseinrichtung für Mädchen und Frauen Ewha Hakdang aufgekauft und als Wohnheim genutzt, bis es 1922 schließlich einem Neubau weichen musste.

Schauplatz der Geschichte
Das direkt nach seiner Fertigstellung 1914 in Betrieb genommene Eisenbahn-Hotel in Gyeongseong war ein hochmodernes Hotel, das nach der Zwangsannexion Koreas der direkten Leitung des Eisenbahnamtes des japanischen Generalgouverneurs unterstand. Der offizielle Name dieses von dem deutschen Architekten Georg de Lalande entworfenen Hotels war „Chosun (Joseon) Hotel“. Die Japaner hatten bereits mit der Aufnahme einer Direktzugverbindung zwischen der Mandschurei und Joseon geplant, ein Eisenbahn-Hotel in der Hauptstadt zu eröffnen. Sie rechneten nämlich mit einem Anstieg der Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten in Gyeongseong, da Reisende aus Japan auf ihrer langen Zugreise von Busan über Sinuiju in die Mandschurei zwischendurch Halt machen wollen würden. In Busan und Sinuiju betrieben sie bereits Hotels westlichen Stils.

Das Problem war, dass an dem Ort, an dem man das Eisenbahn-Hotel bauen ließ, früher der Altar Hwangudan stand, den Gojong 1897 anlässlich seiner Krönung zum Kaiser in Auftrag gegeben hatte. Ursprünglich hatte an der Stelle seit Mitte der Joseon-Zeit der Süd-Sonderpalast gelegen, der für den Empfang chinesischer Gesandter genutzt worden war. Mit dem Ziel, der westlichen Welt seinen starken Willen nach einem modernen souveränen Staat zu demonstrieren, ließ Gojong auf dem Gelände des Nambyeolgung den Altar Hwangudan errichten, um dort seine Kaiserkrönung zu zelebrieren. Gerade diesen Altar, ein Symbol des Willens zur Modernisierung Koreas, riss Japan nach der Annexion ab und baute dort das Eisenbahn-Hotel.

Wie man feststellen kann, dienten die Hotels in der modernen Geschichte Koreas nach der Öffnung der Häfen als Medium der Rezeption und Verbreitung der westlichen Kultur. Später wurden sie zu Zeitzeugen der historischen Ereignisse, die Korea seiner Souveränität beraubten.

Suh Young-hee Professorin für Moderne Geschichte Koreas, Tech University of Korea

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