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Interview

2023 AUTUMN

Elektromusikalische Avantgardisten

Das 2020 gegründete Duo HAEPAARY ist in der alternativen Elektromusik-Szene beheimatet und begeistert durch ihre Interpretationen traditioneller Gugak-Musik. Ihr Mut zur Originalität konnte zuletzt bei den Korean Music Awards 2022 überzeugen, wo sie in den Kategorien „Best Electronic Album“ und „Best Electronic Song“ ausgezeichnet wurden. Wir trafen uns mit ihnen im Mudaeruk, einem Mehrzweckkulturzentrum im Seouler Viertel Hapjeong-dong, um über ihre Musik zu sprechen.

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Das alternative Elektronik-Duo HAEPAARY wurde 2020 von der Sängerin Park Minhee (links) und der Multi-Instrumentalistin Choi Hyewon gegründet. Durch ihre Interpretationen von Populärmusik sowie traditioneller Gugak gelten sie als Avantgardisten in der koreanischen Elektromusik-Szene.

2019 sorgte die Band LEENALCHI mit Tiger is Coming für Sensation. Ihre Post-Punk-Neuinterpretation des epischen Gesang-Stücks Sugungga (wörtl.: Lied des Unterwasserpalastes) des traditionell-koreanischen Gugak-Genres Pansori begeisterte das Publikum. Seitdem gab es vielfältige musikalische Versuche, Gugak-Elemente mit Popmusik zu kombinieren.

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A Shining Warrior — A Heartfelt Joy
Einer der Songs auf der ersten EP von HARPAARY, Born by Gorgeousness, die 2021 veröffentlicht wurde. Das Album gewann bei den Korean Music Awards 2022 in der Kategorie „Best Electronic Album“.

Das Duo HAEPAARY aus Minhee und Hyewon, das sich durch seinen kühlen, ruhigen Sound auszeichnet, ist ein Teil dieser Bewegung. Dem 2021 veröffentlichten Debütsong A Shining Warrior - A Heartfelt Joy liegt ein an Ambient-Musik erinnernder Klangteppich zugrunde, auf dem sich Gesänge der Jongmyo Jeryeak legen, einer Ritualmusik für die Vorfahren der Könige am Jongmyo-Schrein. Die hellen, klaren Klänge der Gugak-Schlaginstrumente stehen hier im Kontrast zur düsteren, unheimlichen Narration im Schlussteil des Stückes.

Das kennzeichnende Merkmal des Duos seit dem Debüt ist die besondere Originalität seiner avantgardistischen Musikwelt. HAEPAARY greift auf hundertjährige koreanische Musiktradition zurück, bricht dabei mit unzeitgemäßen Textinhalten und traditionellen Geschlechterrollen. So singen sie auch mal Gagok (ein Genre der Vokalmusik) für die männliche Stimme oder interpretieren die männerdominierte Kultur des Joseon-Reichs (1392 – 1910) aus einer weiblichen Perspektive. Dies ist der Grund, warum sich gerade die der Stereotypen und konservativen Musik überdrüssig gewordenen jungen Menschen von ihrem Sound angesprochen fühlen.

Sie haben beide Gugak studiert. Wie kam es dazu?
Hyewon: Als Kind war ich Mitglied der Samulnori-Gruppe (Samulnori: Spiel vier traditioneller Schlaginstrumente) von Kim Duk Soo. Ihr Fusion-Album in Zusammenarbeit mit der multinationalen Jazzgruppe Red Sun faszinierte mich. Ich war beeindruckt, wie spielerisch sie mit den traditionellen Rhythmen umgingen. Mit der Weltmusikgruppe wHOOL gaben wir ein gemeinsames Konzert und waren immer auf der Suche nach etwas Neuem. Nach Abschluss der Gugak National High School fand ich an der Uni dann meine Liebe zur Elektromusik.

Minhee: Alles begann damit, dass mein Vater mich als Kind zum Lernen der drei Genres der traditionellen Vokalmusik Sijo, Gagok und Gasa brachte. Von da an war Musik aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. In der Mittelschule mochte ich den Rapper Tupac und begeisterte mich für Songs wie Yanggwibi (Mohn) der koreanischen Punkband Crying Nut. Auch gefiel mir die britische Metalband Black Sabbath, die ich über Freunde meines Bruders kennenlernte.

Auf der Gugak National High School hatte ich mit dem traditionellen Instrumentalstück Sujecheon (wörtl.: Langes Leben, unermesslich wie der Himmel) ein regelrechtes Erweckungserlebnis. Das war viel ungewöhnlicher als Progressive Rock und Artrock. Ich glaube, damals kam mir der Gedanke, auch so revolutionär zu werden wie meine Vorbilder: der Gayageum-Spieler Hwang Byung-ki und der Videokünstler Paik Nam June.

Wie hat der Markt seit dem Debüt auf Sie reagiert?
Minhee: Es war unser größtes Ziel, nicht auf die Gugak-Musik beschränkt zu werden und auf dem Elektromusik- und Popmusik-Markt Fuß zu fassen. Dass wir bei den Korean Popular Music Awards 2022 zusammen mit K-Pop-Bands wie Aespa als „Rookie of the Year“ nominiert wurden und in den Plattenläden neben dem Ambient-Duo Salamanda stehen, zähle ich als ersten Zwischenerfolg.

Wie blickt die Elektro-Szene auf Sie?
Hyewon: Da unser Sound sehr speziell ist, werden wir oft v. a. nach den Quellen gefragt. Wir sampeln zwar auch Gugak, doch viel öfter kommen Quellen zum Einsatz, die andere Elektro-Musiker ebenfalls gebrauchen, bloß in leicht abgeänderter Form. Gugak-Elemente stehen bei uns eigentlich nicht im Vordergrund, aber wegen unserer Herkunft scheint unsere Musik auch immer Gugak-Nuancen zu beinhalten.

Sie erwähnten vorhin Aespa. Was ist Ihre Meinung von K-Pop?

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go to gpd and then
Die Reinterpretation von Gagok (traditionelle Vokalmusik) für männliche Stimme aus weiblicher Perspektive gewann bei den Korean Music Awards 2022 in der Kategorie „Best Electronic Song Award“.

Minhee: Ich mag K-Pop aus der Hörerperspektive, aber künstlerisch gehen wir doch sehr unterschiedliche Wege. K-Pop strebt Ebenmäßigkeit an, aber unsere Musik verläuft gegen den Strich. Wir wollen Andersartigkeit, z. B. Töne, die von gleichstufiger Stimmung ausweichen, arhythmische Beats usw. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Einsatz von den Avataren bei Aespa und den KI-Charakteren in unserem Musikvideo go to gpd and then.

Hyewon: Ja, wir haben uns einer Avatar-Quelle bedient, die eine niederländische Choreo-Gruppe kostenlos im Internet für alle zur Verfügung gestellt hat.

Minhee: Schon daran und in vielen anderen Punkten lässt sich sehen, wie sehr sich unsere Herangehensweise vom K-Pop unterscheidet. Anders als Idolgruppen hatten wir kein Performance-Training. Deswegen könnte die Gefahr bestehen, uns für plump und langweilig zu halten, ohne dass man sich richtig mit unserer Intention beschäftigt hat.

 

Es dürfte nicht einfach sein, Musik von vor vielen Jahrhunderten mit Elektro-Klängen zusammenzubringen.
Hyewon: Schwierig sind v. a. Liveauftritte. Die Abstimmung von Minhees Gesang im traditionellen Stil mit dem elektronischen Bühnen-Sound stellt uns regelmäßig vor Probleme, weshalb oft bis kurz vor Konzertbeginn an ihr gearbeitet werden muss. Bei unserer Album-Aufnahme habe ich einmal wie das französische Elektro-Duo Daft Punk einen Vocoder verwendet, der die menschliche Stimme durch mechanische Töne ersetzt, aber besonders effektiv war das auch nicht.

Minhee: Vorbilder sind für uns Rosalía und ihre moderne Interpretation des Flamencos, oder A-WA aus Israel mit ihrer Mischung traditioneller jemenitischer Musik mit Hip-Hop. Natürlich ist unsere Situation anders. Bei ihnen geben ihre westliche musikalische Tradition und die modernen Beats eine gute Harmonie ab, bei uns nicht. Das ist herausfordernd, aber die Suche danach ist eine lohnende Arbeit.

Hyewon: Wir mischen oft den Zweiertakt der westlichen Elektromusik mit dem Dreiertakt der traditionellen koreanischen Musik. Da Minhees Gesang vom gleichmäßigen Takt abweicht, fragt man uns manchmal, ob nicht der Mischtechniker eingreifen sollte. Aber gerade das finden wir an unserer Musik reizvoll.

Reizvoll dürfte es auch sein, Geschlechterrollen aus traditionellen Musiktexten auf den Kopf zu stellen.
Minhee: Ja, wir scheinen zum Anderssein veranlagt zu sein. Allerdings interessiert uns nicht nur das Thema Gender. Einmal hatte es mit dem berühmten Gedicht Dongchangi Balganneunya? (wörtl.: Ist das Ostfenster hell?) von Nam Gu-man (1629 – 1711) zu tun. Die Zeile „Ist das Kind, das die Kuh füttern soll, immer noch nicht wach?“ war für uns nicht tragbar. Das ist doch Kinderausbeutung! Und in STORY IN GWANAK_SEASON2 thematisieren wir die Liebe sexueller Minderheiten. Es ist für uns nur natürlich, gesellschaftliche Übel wie Frauenfeindlichkeit, wie sie bis ins 20. Jahrhundert noch üblich war, oder Ausbeutung sozial Benachteiligter zu thematisieren und sie in unserer Kunst zu verarbeiten.

Haben Sie noch Pläne für dieses Jahr und wie sehen Ihre langfristigen Ziele aus?
Hyewon: Derzeit stecken wir in der Produktion unseres ersten regulären Albums. Und im Oktober ist die Teilnahme an der Worldwide Music Expo (WOMEX) in Spanien geplant. Doch eigentlich würde ich gerne noch mehr auf Elektromusik-Festivals auftreten.

Minhee: Ja, statt einem Publikum, das artig dasitzt und unserer Musik lauscht, wollen wir die Verrückten, die auf unseren Konzerten so richtig abgehen. Wir wollen in Zukunft noch mehr Musik produzieren, die begeistert und die Leute mitreißt.

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HAEPAARY trat am 20. Mai 2023 im Mudaeruk auf, einem Mehrzweckkulturzentrum im Seouler Viertel Hapjeong-dong. Das Duo will in Zukunft noch mehr Musik produzieren, die begeistert und zum Abfeiern animiert.



Lim Hee-yunMusikkritiker
FotosHeo Dong-wuk

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