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Deutsche Persönlichkeiten im Königreich Joseon

Von dem Augenblick an, als der erste Deutsche die Halbinsel Korea betrat, bis zum 1. Jan. 1910, als das Kaiserreich quasi schon keine Eigenstaatlichkeit mehr besaß, haben mehr als 300 deutsche Reichsbürger das Land sowohl besucht, als auch dort gearbeitet und gelebt..

Hans-Alexander Kneider
Professor an der Graduate School of Interpretation and Translation, Hankuk University of Foreign Studies;
Verfasser des Buches Globetrotter, Abenteurer, Goldgräber. Auf deutschen Spuren im alten Korea


Am 26. Nov. 1883 unterzeichneten der deutsche Generalkonsul Carl Eduard Zappe einerseits und der Präsident des koreanischen Auswärtigen Amtes Min Yeong-mok andererseits in Seoul, seinerzeit noch Hanseong genannt, den Deutsch-koreanischen Handels-, Freundschafts- und Schifffahrtsvertrag. Mit diesem Akt begannen die offiziellen diplomatischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Joseon (seit 1897 Kaiserreich Joseon). Am 17. Nov. 1905, fast auf den Tag genau 22 Jahre später, endeten sie bereits wieder durch den Protektoratsvertrag Japans.
Von dem Augenblick an, als der erste Deutsche die Halbinsel Korea betrat, bis zum 1. Jan. 1910, als das Kaiserreich quasi schon keine Eigenstaatlichkeit mehr besaß, haben mehr als 300 deutsche Reichsbürger das Land sowohl besucht, als auch dort gearbeitet und gelebt. Zu ihnen gehörten Diplomaten, Deutsche in koreanischen Diensten, Militär und Adel, Kaufleute und Ingenieure, Dozenten und Wissenschaftler, Priester und Patres, Abenteurer und Weltenbummler, Schriftsteller, Besatzungsmitglieder ziviler Schiffe sowie Familienangehörige.
Hatte ein längerer Aufenthalt oder kürzerer Besuch der meisten von ihnen auch keinerlei oder nur geringe nachhaltige Wirkung auf die deutsch-koreanischen Beziehungen, so muss doch den wenigen, die das deutsche Prestige in Korea bis in die heutige Zeit geprägt haben, besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Die nachweislich erste Begegnung zwischen einem Deutschen und einem Koreaner fand indes nicht im Königreich Joseon statt, sondern ereignete sich Mitte des 17. Jahrhunderts in Peking, als der koreanische Kronprinz Sohyeon im Jahre 1644 auf den deutschen Jesuitenpater Johann Adam Schall von Bell traf.
Neben weiteren Begegnungen dieser Art in China, hatte auch der deutsche Arzt und Naturforscher Philipp Franz von Siebold in Japan zu Beginn des 19. Jahrhunderts mehrere Gelegenheiten, mit koreanischen Schiffbrüchigen in Kontakt zu kommen.
Der erste Deutsche, der koreanischen Boden betrat, war der lutheranische Missionar aus China Carl Friedrich August Gützlaff. Er landete am 17. Juli 1832 vor der Westküste Koreas und hinterließ sowohl christliche Traktate, als auch Kartoffeln sowie Anweisungen zu deren Anbau und Kultivierung.
Die nächste Begegnung mit einem Deutschen hinterließ alles andere als eine positive Einstellung der Koreaner zu Deutschland bzw. westlichen Nationen, und muss eher mit einem Akt der Piraterie verglichen werden. Ernst Jacob Oppert, deutscher Kaufmann in Shanghai, versuchte in den Jahren 1866 und 1868 gleich drei Mal vergebens, Korea zu einer Handelsbeziehung zu zwingen. Bei seiner dritten Expedition hatte er vor, die Gebeine des Vaters des Prinzregenten zu rauben, um so ein Druckmittel gegen die koreanische Regierung in der Hand zu haben. Im April 1868 scheiterte die geplante Grabplünderung jedoch und zog vielmehr eine Intensivierung der Abschließungspolitik des Landes nach sich, um ein weiteres Eindringen westlicher
„Barbaren“ zu verhindern.
Einen weiteren, jedoch wesentlich diplomatischeren Versuch, Korea für Handelsbeziehungen zu gewinnen, unternahm Max August Scipio von Brandt, der ab 1862 als erster deutscher Konsul in Japan residierte. Im Jahre 1870 besuchte er die japanische Faktorei in Busan, nur um unverrichteter Dinge von koreanischen Beamten nach Japan zurückgeschickt zu werden.
Durch den Vertrag mit Japan im Jahre 1875 bedingt, hatte der Joseon-Hof 1882 zwar ein Außenministerium errichtet, war aber in außenpolitischen Belangen völlig unerfahren. Kaiser Gojong wandte sich daher an China mit der Bitte um einen Berater. Daraufhin wurde überraschenderweise der deutsche Jurist und Sinologe Baron Paul Georg von Möllendorff entsandt, der sich in chinesischen Diensten befand. Während seines relativ kurzen Aufenthaltes in Korea als Generalzolldirektor von Ende 1882 bis 1885 wirkte er auch als Berater auf vielerlei Gebieten wie Finanz-, Justiz- und Militärwesen, Landwirtschaft, Handwerk und Industrie und vieles mehr. In kurzer Zeit bekleidete der deutsche Baron hohe koreanische Regierungsposten, angefangen mit dem eines Vizeministers im Ministerium des Äußeren, des Ministeriums für Arbeit und des Kriegsministeriums, bis hin zum Direktor der neuen staatlichen Münze.
Auch die einzige deutsche Handelsfirma in Korea, H. C. Eduard Meyer & Co., wurde auf Anregung Möllendorffs im heutigen Incheon errichtet. Mit deren Aufbau und Leitung wurde der Hamburger Kaufmann und Teilhaber Carl Andreas Wolter 1883 beauftragt. Ihr Chef, Heinrich Constantin Eduard Meyer, wurde 1886 von der koreanischen Regierung zum Ehrenkonsul ernannt und vertrat damit in Hamburg offiziell die Interessen Koreas in Deutschland. Nachdem Carl Wolter 1908 die Firma übernommen und sie in Carl Wolter & Co. umbenannt hatte, führte Paul Schirbaum die Geschäfte bis zum Ausbruch des Koreakrieges 1950 weiter.
Durch das persönliche Engagement des von 1887 bis 1898 am längsten in Joseon amtierenden deutschen Vertreters Konsul Ferdinand Krien ins Leben gerufen, wurde am 15. Sept. 1898 die Kaiserlich Deutsche Sprachschule in
Seoul eingeweiht. Bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1911 stand der Schule der deutsche Mittelschullehrer aus Pommern Johannes Bolljahn als Direktor vor.
Eine weitere verdienstvolle Persönlichkeit ist der preußische Militärmusikkapellmeister Franz Eckert. Nach einer 20-jährigen erfolgreichen Tätigkeit in Japan, übernahm er 1901 die Aufgabe, in Seoul eine Hofkapelle aufzubauen und koreanische Musiker an europäischen Instrumenten auszubilden. Bereits ein Jahr später, am 9. Sept. 1902, wurde die erste koreanische Nationalhymne, die von ihm arrangiert und harmonisiert war, uraufgeführt.
Auch der deutsche Mediziner Dr. Richard Wunsch leistete einen großen Beitrag, die Geschichte der deutsch-koreanischen Beziehungen positiv zu formen. Als Leibarzt Kaiser Gojongs war er von 1901 bis 1905 in Seoul tätig, bis ihn sein weiterer Lebensweg über Japan nach China führte.
Nicht als einzige, aber doch als wichtigste Dame gebührt der Elsässerin Antoinette Sontag ein Platz unter den besonders bedeutenden deutschen Persönlichkeiten in Korea. Im Jahre 1885 begleitete sie ihren Schwager, den russischen Ministerresidenten Carl Iwanowitsch Waeber, nach Joseon, um zunächst seinen Haushalt in Seoul zu führen. Nachdem die Japaner am 8. Okt. 1895 ein Attentat auf die Königin verübt hatten, flüchtete der König in die russische Gesandtschaft und verbrachte dort ein Jahr. In dieser Zeit lernte er die Fürsorge „Fräulein Sontags“ derart schätzen, dass er sie nach seiner Rückkehr in den Palast zur Haushofmeisterin ernannte. Neben ihrer äußerst einflussreichen Tätigkeit im Haushalt des Palastes unterhielt sie auch eine Pension, die später unter dem Namen „Sontag Hotel“ bekannt wurde.
Ein weiterer Platz in der Reihe verdienstvoller Deutscher gebührt nicht zuletzt den Benediktinermönchen aus St. Ottilien in Oberbayern, die im Jahre 1909 in Seoul ihre Tätigkeit begonnen hatten, und heute noch ein Kloster in Waeg¬wan, in der Nähe von Daegu, als Missionszentrale unterhalten, das im Feb. 1964 durch ein römisches Reskript zur Abtei erhoben wurde. Bonifatius Sauer, Cassian Niebauer, Martin Huber, Ildefons Flötzinger, Paschalis Fangauer und Andre Eckardt sind als Pioniere der Benediktinermission in Korea zu nennen. Andre Eckardt kehrte um die Jahreswende 1928/29 nach Deutschland zurück und begründete im Jahre 1950 als Professor am Ostasiatischen Seminar in München die deutsche Koreanistik.

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